3.2.1 Die Serbenverfolgung und die Tschetniks 

Aus der inneren und äusseren Unsicherheit des neuen Staates, den in 12-jähriger Emigration und Illegalität verfestigten national-kroatischen Wunschbildern und der Fragwürdigkeit des kroatischen Herrschaftsanspruchs an ein Gebiet, dessen Bevölkerung fast zur Hälfte aus Orthodoxen und Muslimen bestand, ergab sich von Anfang an ein widersprüchliches Verhalten gegenüber den Minderheiten. Zum einen wurde in propagandistischer Stilisierung ein grosser Teil der orthodoxen und muslimischen Bevölkerung als eigentliche Kroaten betrachtet, die man durch Zwangskatholisierungen und Massentaufen zurück zu ihrem ursprünglichen Glauben zu bekehren beabsichtigte.[1]

Andererseits wurde die pravoslawische Bevölkerungsgruppe zur Zielscheibe eines im Exil aufgestauten fanatischen Racheverlangens. Die Machtübernahme der Ustascha und die Errichtung von Ustascha-Organisationen auf dem Lande nahmen vielfach geradezu die Form eines nachgeholten Aufstandes gegen die Serben an, in dem sich all jene Hassgefühle abreagierten, die sich bei den Führern der illegalen Ustascha vor 1941 in jugoslawischen Gefängnissen und in der Emigration gegen den serbisch-orthodoxen Unterdrücker aufgespeichert hatten. Diese Stimmung verstärkte sich noch, als bekannt wurde, dass versprengte serbische Soldaten der jugoslawischen Armee nach der Proklamation des kroatischen Staates aus Rache an den „Verrätern“ Überfälle auf abgelegene kroatische und muslimische Dörfer Südbosniens und der Herzegowina verübten.[2]

Nach den Berichten Kästlis hatten sowohl der Poglavnik, dessen Kultusminister Budak, welcher monatelang die erbarmungslose Feindschaft gegenüber den Serben gepredigt hatte, als auch Slvako Kvaternik und dessen Sohn Eugen[3], der Chef der Ustascha-Polizei, die Pravoslawen, Kommunisten, Juden und Freimaurer zu den erbittertsten Feinden des Unabhängigen Staates Kroatien erklärt. Er beschreibt wie das Vorgehen der Ustascha-Polizei und der Ustascha-Miliz in Stadt und Land, namentlich in der Lika und Bosnien, teilweise von einer Rechtswillkür und Grausamkeit begleitet war, die dem Regime in weiten Kreisen bittere Kritik eingetragen und ihrem Ansehen schwer geschadet hatte. Gemäss verschiedenen Quellen wurden über 100 000 Pravoslawen aus Kroatien nach Serbien vertrieben[4] und gegen 200 000 bis zum Ende des ersten Jahres getötet.[5]

Inzwischen war im besetzten Jugoslawien eine aktive Widerstandsbewegung auf den Plan getreten. Die erste und zunächst bedeutendste Initiative des Widerstandes ging von nationalserbischer Seite aus und wurde von Gruppen serbischer Freischärler getragen, die sich unter dem traditionellen Namen Tschetniks[6] (Četnici; četa = Bande, Schar, Kompanie) gleich nach der Kapitulation der jugoslawischen Armee unter serbischen Offizieren und lokalen Führern gebildet hatten. Diese Soldaten der zerstreuten und versprengten jugoslawischen Armee, die mit ihren Waffen der Gefangenschaft entronnen und in abgelegenen Bezirken untergetaucht waren, formierten sich bald in verschiedenen serbischen, montenegrinischen und bosnischen Gebieten zu voneinander unabhängig operierenden Tschetnik-Gruppen. Als führender Stratege und Organisator der Bewegung, dem sich die regionalen Freischärler mehr oder weniger unterordneten, trat bald der 53-jährige Oberst Draža Mihajlović hervor. Mihajlović, der Generalstabsoffizier und Militärattaché der jugoslawischen Armee gewesen war, anerkannte zusammen mit einer Gruppe von Offizieren und Mannschaften den Waffenstillstand vom 18. April nicht. Er entschied, stattdessen den Kampf fortzusetzen und hoffte, in Bosnien und Westserbien zusammen mit anderen intakten Einheiten eine neue Abwehrfront aufbauen zu können. Das erste Gefecht mit deutschen Einheiten, das seiner Kampfgruppe schwere Verluste beibrachte, belehrte Mihajlović, dass eine Weiterführung des Widerstandes nur noch auf dem Weg der Guerilla-Taktik möglich war.[7]

Die Tschetnik-Bewegung eigentlich zur Bekämpfung der deutschen Besatzungstruppen aufgebaut formierte sich nunmehr auch im Ustascha-Staat wegen der im Juni 1941 einsetzenden Serbenverfolgung unter dem Pavelić-Regime. Es entstanden so in Ost- und Zentral-Bosnien, der Herzegowina und der Lika bewaffnete serbische Selbstschutz- und Widerstandsgruppen, die grössere Gebiete unter ihre Kontrolle brachten und der Ustascha die Herrschaft streitig machten. Sie bildeten gemäss Kästli einen Staat im Staate. Die von ihnen besetzten Gebiete beherrschten sie souverän und stellten für diese sogar Passier- und Schutzscheine aus. So wurde im Laufe der Zeit die Ustascha, und nicht mehr die deutschen und italienischen Besatzungstruppen, Hauptgegner der Tschetniks. Deshalb stellten sie fortan den Schutz der serbisch-orthodoxen Bevölkerung sowie die Rache für vorangegangene Massaker der Ustascha in den Vordergrund ihrer Widerstandsbewegung. So entwickelte sich im Verlauf des Krieges zwischen den Tschetniks und der Ustascha ein vielfach erbittert geführter National- und Religionskrieg, in dessen Verlauf auch Tschetnik-Banden kroatische und muslimische Dörfer überfielen und dabei an Grausamkeit hinter der Ustascha kaum zurückstanden.[8]

 

3.2.2 Die Partisanenbewegung 

Eine zweite Widerstandsbewegung, die etwas später als jene der Tschetniks einsetzte, entstand unter kommunistischen Vorzeichen. Ihr oberster Kommandant und Führer war Josip Broz, genannt Tito. Im Ersten Weltkrieg geriet er in russische Gefangenschaft, schlug sich anschliessend durch verschiedene Lager durch und untermauerte in Theorie und Praxis seine kommunistische Weltanschauung. Nach der Rückkehr in die Heimat stieg er auf der Stufenleiter der jugoslawischen kommunistischen Partei rasch empor. Wegen seiner Tätigkeit wurde er mehrmals eingekerkert, dessen ungeachtet organisierte und lenkte er seine verbotene Partei[9] als Untergrundbewegung.[10]

Während des Aprilfeldzuges 1941 in Jugoslawien stand die Partei abwartend beiseite, weil die kommunistische Sowjetunion zu diesem Zeitpunkt noch mit Deutschland verbündet war. Als aber Deutschland am 22. Juni seinen Russlandfeldzug eröffnete, rief Molotow gleichentags durch Rundfunk alle kommunistischen Parteien zum aktiven Kampf gegen das Reich und dessen Verbündete auf. Mit diesem Aufruf war auch für die jugoslawischen Kommunisten die Stunde gekommen, als Partisanen gegen die Besatzungstruppen und die kroatischen Einheiten zu kämpfen.[11]

Tito, der den Sitz des jugoslawischen Zentralkomitees Anfang Mai von Zagreb nach Belgrad verlegt hatte, erliess als gewählter Oberkommandant am 4. Juli den Befehl, die Besatzungstruppen durch fortgesetzte Anschläge zu schädigen und zu ermüden. Hierbei sollten die Partisanenverbände entscheidenden Gefechten ausweichen und ihre Kampfkraft für den Endkampf erhalten. Als Abzeichen trugen die Partisanen zur Zivilkleidung nur den roten Stern auf der Mütze.[12]

Übereinstimmend mit den übrigen Quellen berichtet Kästli, dass zu Beginn des Bandenkrieges in den Reihen Titos vorzugsweise Serben standen, die entweder vor der Ustascha oder den Deutschen geflüchtet waren. Dies änderte sich, als nach den ersten Wochen die Freude über die errungene Befreiung Kroatiens verklungen war und in den breiten Schichten des kroatischen Volkes die Konzessionen Pavelićs an Italien bekannt wurden, die kroatische Bauernpartei aufgelöst und ihr Führer Maček verhaftet wurde, und die Ustascha-Miliz anfing Untaten gegen kroatische Bürger zu verüben. Danach begannen viele Kroaten sich von der Regierung abzuwenden und in die Wälder zu flüchten. Weil sich die auf den illegalen Kampf nicht ausgebildete Bauernpartei Mačeks aktionsunfähig zeigte, blieben nur die kommunistischen Partisanen, denen sich die Kroaten anschliessen konnten. Tito verstand es zudem, die führungslosen Dissidenten um sich zu gruppieren und die linksgerichtete Intelligenz für sich zu gewinnen.[13]

Der schweizerische Konsul wies in einem Schreiben an Bundesrat Pilet-Golaz darauf hin, dass nur noch die Führungspersonen und ein kleinerer Teil der Partisanen eigentliche Kommunisten waren, die ihre Ziele streng nach dem moskowitischen Lehrbuch ausrichteten. Der Grossteil jedoch bestand aus Bauern und Bürgerlichen jeder Nationalität, die entweder Anhänger einer Bauernpartei oder der Alliierten waren. Sie bildeten damals in der Opposition eine Kampfgemeinschaft, die sich nach Ansicht Kästlis aber voraussichtlich am Ende des Krieges wieder spalten würde. Trotz der unterschiedlichen Herkunft der Partisanenkämpfer erstreckte sich die straffe Organisation auf alle, auch auf die Freiwilligen und zwangsweise rekrutierten Mitläufer, von denen viele nichts anderes als Antifaschisten waren.[14]

Auf die in Serbien stetig anwachsende kommunistische Partisanentätigkeit reagierten die deutschen Stellen mit rigorosen Massnahmen. Nachdem sich die Sabotageakte dieses Gegners, der sich kaum fassen liess, weiterhin häuften, gingen die deutschen Truppenkommandeure und Feldkommandanten dazu über, den Terror des Gegners durch schlimmeren Gegenterror in Gestalt von Repressalien und Geiselerschiessungen zu beantworten. Um solche Vergeltungen nicht selbst durchführen zu müssen, liessen die deutschen Stellen die Erschiessungen vielfach von der im Militärverwaltungsgebiet Serbien als Exekutive beibehaltenen serbischen Gendarmerie ausführen. Es wurde indes bald ersichtlich, dass der damit beabsichtigte Abschreckungseffekt einen Teil der serbischen männlichen Bevölkerung aus Angst vor neuen deutschen Repressalien in die Berge zu den Partisanen und den Tschetniks trieb.[15]

Um die Kräfte für die Bekämpfung der Besatzungsmächte zu vereinigen, bemühte sich Tito bereits im Herbst 1941 um ein Zusammentreffen mit Mihajlović. Dieser, der im Allgemeinen wenig Sympathie für die Kommunisten hegte, konnte sich zu diesem Zeitpunkt noch als eigentlicher Führer des Widerstandes betrachten, zumal ihn die Alliierten als solchen anerkannten. Mihajlović willigte ein, Tito zu treffen, doch führten die Verhandlungen nur zu einer sehr unverbindlichen Zusicherung gegenseitiger Unterstützung. Titos Wunsch nach engster Kooperation erfüllte sich nicht.[16] Kästli scheint von diesen Verhandlungen keine Kenntnisse gehabt zu haben, da in seinen Berichten diesbezüglich nichts erwähnt wird.

Es zeigte sich schon damals, abgesehen von den politischen Meinungsverschiedenheiten und dem gegenseitigen Misstrauen, die ganze Diskrepanz der Taktiken dieser beiden Bewegungen. Tito erhoffte sich mehr von einem unermüdlichen Kampf gegen die Besatzungsmächte. Dagegen plädierte Mihajlović, obwohl zu aktivem Kampf und Verteidigung der nationalen Freiheit nicht weniger entschlossen, für mehr Zurückhaltung sowie grössere Schonung der intakten eigenen Kräfte. Ausserdem warf er den kommunistischen Partisanen vor, mit ihrem Vorgehen zusätzliche Repressalien und unnötiges Blutvergiessen zu provozieren. Damit hing aufs engste der Unterschied der Zusammensetzung und Struktur der beidseitigen Anhänger und Kampfverbände zusammen. Während sich die Tschetniks überwiegend aus der ortsansässigen bäuerlichen Bevölkerung rekrutierten, die entsprechend der alten Selbstschutz-Tradition in ihrem Heimatbezirk sesshaft blieben und nur im Bedarfsfall zu den Waffen griffen, ging Tito immer mehr dazu über, mobile Partisanenabteilungen, sogenannte proletarische Brigaden, zu bilden.[17]

Obwohl die Verabredung zwischen Tito und Mihajlović keine dauerhafte Kooperation einleitete und bereits im November zwischen Tschetniks und kommunistischen Partisanengruppen offene Kämpfe entbrannten und bald eine unüberwindbare Kluft entstand, wirkte bei den Besatzungsmächten allein die Tatsache der Unterredung zwischen Mihajlović und den Kommunisten alarmierend.[18]

Schon vor dieser Meldung waren die Besatzungsmächte darum bemüht gewesen, keine aufständische Einheitsfront zustande kommen zu lassen. Da der Kampf vor allem gegen die stärker agierenden kommunistischen Partisanen mit militärisch-polizeilichen Mitteln allein nicht zu gewinnen war, lag es nahe, durch grösseres Entgegenkommen gegenüber den nationalserbischen Interessen und Gruppen auf politischem Wege eine antikommunistische Front zu schaffen. Dazu bestand aber nur dann Aussicht, wenn man sich entschloss, den Kampf gegen die feindlichen Tschetnik-Gruppen vorerst zurückzustellen, sie zu schonen und ihnen eine serbische Regierung mit eingeschränkten Kompetenzen zuzugestehen. Dadurch hoffte man, die Tschetniks zumindest zum Stillhalten, wenn nicht gar zur Mithilfe im Kampf gegen die Kommunisten gewinnen zu können.[19]

Zu diesem Zweck wurde am 29. August 1941 die Nedić-Regierung ins Leben gerufen, die aus führenden Serben aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bestand. Um ihr Ansehen zu heben, erhielt Nedić den Titel eines Ministerpräsidenten. Durch diese Massnahmen glaubte man, der jugoslawischen Exilregierung den Boden entziehen zu können. Der neuen Regierung wurde zugesagt, über die eigenen Finanzen disponieren zu können, und der serbisch-orthodoxen Kirche versprach man, ihre Tätigkeit in ihrer Organisation ungestört weiterführen zu können. Des Weiteren zeigten sich die deutschen Stellen bereit, die serbische Gesetzgebung und die Gerichtsbehörden anzuerkennen. Nichtsdestoweniger wurde deutscherseits aber sichergestellt, dass die Bindung an die Weisungen des deutschen Militärbefehlshabers unverändert blieb. In seiner Regierungserklärung setzte Nedić als Programm insbesondere die Rettung des serbischen Volkes vor der Ausrottung und der Anarchie sowie den Kampf gegen den Kommunismus fest. Für das Letztere sagten die deutschen Stellen der Regierung eine Aufstockung und bessere Bewaffnung der serbischen Gendarmerie zu.[20]

Die Gespräche zwischen Tito und Mihajlović führten derweil bei den deutschen Stellen zu einem radikalen Umdenken in ihrer Politik gegenüber den Tschetniks. Der deutsche bevollmächtigte Kommandierende General in Serbien verbot nach Bekanntwerden der Kontaktnahme zwischen den beiden Widerstandsführern den deutschen Truppen kategorisch jedes Verhandeln mit irgendwelchen Aufständischen-Gruppen und -Führern. Auch die Nedić-Regierung wurde veranlasst, die Verbindungen mit Mihajlović zu unterbrechen. In der Tat verschärften die Deutschen ihre Massnahmen sowohl gegen die Partisanen als auch gegen die Tschetniks, doch hielt sie dies nicht davon ab, weiterhin Kontakt mit einzelnen deutschfreundlichen Tschetnik-Gruppen zu suchen.[21]

Die demonstrative Reaktion der Deutschen war auch dazu bestimmt, die kroatische Ustascha-Regierung zu beschwichtigen, welche die Annäherung der deutschen militärischen Stellen in Belgrad an die nationalserbischen Kräfte mit grösstem Argwohn verfolgte. Die in Zagreb besonders beunruhigende Nachricht über die Kooperation der Achsenmächte mit serbisch-nationalen Kräften bezog sich jedoch weniger auf die deutschen als vielmehr auf die italienischen Besatzungstruppen.[22]

Das Umsichgreifen der Aufstandsbewegung in der italienischen Besatzungszone Kroatiens bewog das italienische Oberkommando, seine Truppen zu verstärken, den kurz vorher weitgehend geräumten Küstenstreifen bis zur Demarkationslinie erneut zu besetzen und im Operationsgebiet die Befehlsgewalt der Truppenkommandeure über die kroatischen Behörden zu beanspruchen.[23] Hinzu kam, dass die italienischen Militärbehörden anfingen, den örtlichen kroatischen Organen und insbesondere der Ustascha direkt entgegenzuarbeiten, indem sie die gegen die pravoslawische Bevölkerung und die Juden gerichteten Massnahmen zum Teil wieder rückgängig machten und sich zur militärischen Sicherung in manchen Gebieten vermehrt der serbischen Tschetniks bedienten. Offiziell erklärte Italien die Massnahmen damit, dass die Ustascha mit ihren Repressalien ein Chaos in ihrer Besatzungszone verursacht und damit den Partisanen offenkundig Zulauf verschafft hätte. Deshalb sah sich die Regierung in Rom dazu veranlasst, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen.[24]

Der Ustascha-Terror gegen das Serbentum bot den italienischen Militär- und Zivilbehörden aber die Chance, auch über das dalmatinische Annexionsgebiet hinaus als Protektor der serbischen Bevölkerung aufzutreten und in den serbischen Tschetniks orts- und landeskundige Hilfstruppen sowohl gegen die kommunistischen Partisanen als auch zur Stärkung des italienischen Einflusses im kroatischen Küstenland zu gewinnen. Zudem sahen die italienischen Stellen in den Tschetniks vor allem einen möglichen Verbündeten gegen die Ustascha-Propaganda und gegen die kroatische Mehrheitsbevölkerung in diesem Gebiet, die der italienischen Herrschaft und den Italienisierungsbestrebungen Widerstand leistete.[25] 

 

3.2.3 Die Einschätzungen Kästlis am Ende des Jahres 1941 

In seinem letzten Bericht aus dem Jahre 1941 schreibt Kästli, dass die allgemeine Lage Kroatiens sich politisch und wirtschaftlich bis zu diesem Zeitpunkt noch verschlechtert hätte. Die sozialen Auswirkungen seien einstweilen noch nicht in Augenschein getreten, man erwarte sie aber spätestens auf das kommende Winterende in Form von Hungerrevolten und Währungsnöten. Deutschland zeige sich am politischen Schicksal des Unabhängigen Staates Kroatien mehr und mehr desinteressiert, um so intensiver beute es aber das Land wirtschaftlich aus. Eine Gruppe von Mitgliedern der Regierung, die Deutschland in Kroatien halten wolle, bemühe sich, ihren Verbündeten dazu zu bringen, seinen politischen Einfluss im Lande nicht preiszugeben.[26]

Von ihrem gesamten Staatsgebiet besass die Regierung in Zagreb etwa ein Viertel in ihrer Gewalt. Der Rest wurde von anderen Einflussmächten beherrscht. Im Küstengebiet massten sich die italienischen Besatzungstruppen die Macht an, in weiten Teilen Bosniens kontrollierten die Aufständischen, die weiter neuen Zulauf erhielten, das Territorium und im Nordosten hatte man die dort wohnhaften Volksdeutschen mit Sonderrechten ausgestattet.[27]

Kästli berichtet, dass bis etwa vor Monatsfrist in vielen Kreisen die Meinung vorherrschte, die Missstände seien von kurzer Dauer und würden schliesslich mit den von der Regierung eingeleiteten militärischen Säuberungsaktionen überwunden. Die in den ersten sechs Monaten des jungen Staatslebens gemachten schweren Fehler würden sich aber noch bitterer und früher rächen, als man es sich gedacht hätte. In den kroatischen Kreisen war man der Meinung, dass der Hass zwischen Kroaten, Pravoslawen, Muslimen, Ustaschen und Freischärlern und auch die immer feindlicher werdende Einstellung gegenüber den fremden Besatzungstruppen sich so tief eingefressen hätte, dass jede Aktion zu einer Befriedigung von Anfang an als utopisch angesehen werden müsste.

Kästli fügte hinzu, dass nach dem Umschwung vom 10. April sich viele Jugoslawen als plötzliche Kroaten entpuppten hätten, jetzt am Ende des Jahres aber die gleichen Kroaten allmählich wieder den Weg zurückfänden und wieder jugoslawisch zu denken anfangen würden. Den Anlass zu dieser Wandlung bot nach Kästli die Erkenntnis, dass Kroatien von den Grossmächten zu selbstsüchtigen Zwecken ausgenützt werde, und dass die eigene Staatsgewalt nachlasse, den üblichen Erscheinungen des Zerfalls wie Rechtswillkür, Gewalttätigkeit und Korruption entgegenzutreten. Wirtschaft und Währung würden zudem allmählich zugrunde gehen. Und anstatt einer Befriedung der ethnisch, konfessionell und politisch verfeindeten Volksschichten nehme der erbitterte Bruderzwist seinen Fortgang, dem scheinbar niemand Einhalt zu gebieten die Macht habe.[28]

Angesichts dieser negativen Entwicklungen schilderte Kästli die weitere Zukunft des Unabhängigen Staates wie folgt: 

„[...]So zeigt die Prognose für einen Fortbestand des Unabhängigen Staates Kroatien heute eine ablaufende Kurve. Das junge Staatsgebilde kann sich von seinen Kinderkrankheiten nicht erholen. Der Ausbau der Parteiorganisation, der Vertretungen und die Beteiligung an politischen Demonstrationen der Achsenmächte sind nicht allen Beweis genug, dass mit diesen Äusserlichkeiten der Weiterbestand des kaum befreiten Vaterlandes gesichert bleibt. Auch die Tatsache, dass sich das Ustascharegime behauptet und seine Macht demonstrativ zur Schau trägt, wirkt nicht restlos beruhigend.“[29] 

 

3.3 Die ersten Krisen im Ustascha-Staat 

3.3.1 Die Absicht Italiens, Kroatien vollständig zu besetzen 

Gleich zu Anfang des Jahres 1942 drohte die Unabhängigkeit des Staates Kroatien dem Machthunger der italienischen Führung zum Opfer zu fallen. In diesem Sinne berichten von den hier zur Verfügung stehenden Quellen allein die Schriften Kästlis ausführlich über eine am 3. Januar 1942 in Triest getroffene schriftliche Vereinbarung zwischen Mussolini und Pavelić, wonach Kroatien durch Italien und Ungarn militärisch besetzt werden sollte.[30] Die italienischen Besatzungstruppen sollten bis zur Save vorrücken, und vom Norden her sollten ungarische Truppen ebenfalls bis zur Save vorstossen. In Deutschland habe man wegen der steigenden Beanspruchung der eigenen militärischen Mittel durch die Wende in Russland und den Kriegseintritt Amerikas seine Zustimmung zu diesem Plan gegeben.[31]

Um die Meinung Deutschlands in dieser Sache umzustimmen, hatte zum einen der Poglavnik dem Reich ein Zugeständnis nach dem anderen gemacht, um eine Entscheidung solang als möglich hinauszuschieben und sein Land damit zu retten. Zum anderen hatten angesehene kroatische Persönlichkeiten Hitlers Vertrauten, General Glaise von Horstenau, aufgesucht und ihn davon zu überzeugen versucht, dass eine Besetzung Kroatiens durch italienische und ungarische Truppen für Regime und Volk psychologisch untragbar sei. Dennoch sträubte sich der General gegen eine Belassung deutscher Truppen. Er wollte es damit bewenden lassen, drei Divisionen zur Liquidierung der Aufständischen zurückzulassen, die nach erfolgreichem Abschluss ebenfalls abgezogen werden sollten. Nach langem Insistieren zeigte sich Glaise von Horstenau bereit, die Angelegenheit mit Hitler zu besprechen. Angesichts der zunehmenden aufständischen Aktionen im bosnischen Raum und im Hinblick auf eine erwartete englische Balkanoffensive hatte Hitler schliesslich die Abmachung von Triest wieder über den Haufen geworfen. Die militärische Besetzung Kroatiens durch Italien und Ungarn unterblieb.[32]

Stattdessen beabsichtigte Italien nebst der kroatischen Zvonimirkrone auch die ungarische Stephanskrone für den Herzog von Spoleto zu gewinnen. Damit wäre nach historischem Vorbild eine Personalunion zwischen Ungarn und Kroatien geschaffen worden. Doch dieses Vorhaben scheiterte ebenfalls.[33] 

 

3.3.2 Die Einberufung des Sabor 

Um seine Macht staatsrechtlich zu verankern, berief Pavelić am 23. Februar 1942 den Sabor (Landtag) ein, der aus den noch lebenden Abgeordneten des im Jahre 1918 gewählten Landtages bestand, mit Ausnahme derjenigen, die gegen die „Ehre des Unabhängigen Staates Kroatien“ verstossen hatten. Zu diesen gehörten die Angehörigen des jugoslawischen Kabinetts, einschliesslich Maček, der wie berichtet kurz nach Ausrufung des neuen Staates von der Ustascha inhaftiert wurde und bis zum Untergang des Ustascha-Regimes in Gefangenschaft blieb. Des Weiteren gehörten dem Sabor neu die Doglavniks, die Adjutanten und Kommissare des Ustascha-Hauptquartiers und zwei Vertreter der deutschen Volksgruppe an. Von den insgesamt über 200 Abgeordneten des Landtages waren neben Pavelić und Slavko Kvaternik, 26 höhere Ustaschafunktionäre, 107 Vertreter der Ustaschabewegung, 15 Muslime und drei Pravoslawen. Das ergab ein völlig schiefes Bild, wenn man in Betracht zieht, dass die Pravoslawen, die immer noch ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachten, drei Abgeordnete haben durften, während die Ustascha über die absolute Mehrheit verfügte. Zur Rehabilitation der Ustascha, die nach dem Königsattentat an Alexander I. als terroristische Gruppe betrachtet wurde, hatte der Sabor einstimmig ein Gesetz beschlossen, das die Zeit vom 1. Dezember 1918 bis zum 10 April 1941 als einen für Kroatien unwirksamen und illegalen Zustand erklärte und alle bis anhin vom Poglavnik vollbrachten Taten guthiess.[34]

Kästli berichtet, dass die öffentlichen Sitzungen des kroatischen Landtages den Staatsministern die Gelegenheit gaben, sich über die Tätigkeit in ihren Fachgebieten auszuweisen. Aussenminister Lorković schilderte dabei die Beziehungen des Unabhängigen Staates Kroatien zum Ausland. Auffallend dabei war das Bemühen, das Verhältnis zu Italien als nicht weniger herzlich als zu Deutschland darzustellen. Die Rivalität zwischen diesen beiden Staaten machte dies erforderlich.[35]

Mit einer Schlussrede in Form einer Botschaft an die Volksvertretung wurde der Sabor vom Poglavnik feierlich beendet. Nach Kästlis Ansicht fiel die Rede neben ihren Hauptteilen, die staatsmännisches Format aufwiesen, in den Nebenteilen ziemlich stark ab, enthielten sogar einige Entgleisungen. So entschuldigte sich der Poglavnik für die Fehler seiner eigenen Beamten und führte nicht gerade glückliche Beispiele von Amtsmissbrauch an. Die Behauptung, der Kommunismus sei nur bei gewissen Intellektuellen zuhause, widersprach der Tatsache, dass ein nicht unbedeutender Teil der Exekutionsopfer dem Arbeiterstand entstammte. Gemäss Kästli blieb in der Beweisführung für die Richtigkeit der Politik Pavelićs die Logik oft auf der Strecke.[36] Hierfür bietet seine Vorstellung von Demokratie, die von seinen politischen Nachbarn so geschmäht wurde, ein Beispiel: 

„Wie ist denn ein Parlament mit dem autorativen Staate vereinbar, wie ist es zu vereinbaren, dass eine demokratische Einrichtung wie es das Parlament, wie es der Sabor ist, in einem Staate arbeiten können, der auf autoritative Grundsätze gestellt ist?

Es gab manche, die sich die Frage ganz ernst stellten. Für mich war das überhaupt keine Frage, weil – ich frage Euch alle – wo war denn die Demokratie, als der kroatische Sabor bestand. Ist denn die Demokratie die alleinige Art, womit das Volk seinen Willen kundgeben könne? Ist denn sie das alleinige Mittel damit das Volk seine nationale Geschäfte erledigen und über seine Angelegenheiten entscheiden könne? Wir wissen ja, dass der kroatische Sabor seine nationalen und staatlichen Angelegenheiten vor tausend Jahren erledigte, als praktisch noch niemand wusste, weder dass es eine französische noch dass es eine praktische Demokratie gebe. Sicherlich wird niemand weder König Tomislav noch König Zvonimir noch unsere Zrinjskis und andere Magnaten und Vorfahren, auch den Leuten aus dem Volk nicht zumuten, dass sie Demokraten waren. Nachdem ich aber das Wort Demokratie erwähnt habe, das wir sonst aus unserem Wörterbuch strichen, damit auch die schändliche Erinnerungen getilgt werden, die die Demokratie hinterlassen hatte, wie sie auch die aufgeklärtesten besten und mächtigsten Völker getilgt haben, so sei mir gestattet, nur einige Worte darüber zu sagen, was wir in dieser Demokratie, sagen wir in der parlamentarischen Form, durchzuleben hatten. Vielleicht hätte jemand sagen können, unsere Geschäftsordnung, die durch die Gesetztesverordnung erbracht wurde, sei reaktionär. Möglicherweise gab es weiter Leute, die solcher Ansicht waren, weil es eben Leute gab, die dachten, dieser Sabor werde eine Karikatur des Parlamentes sein. Ich sage Euch aber und ihr habt Euch überzeugen können, dass es keine bessere Arbeitsgelegenheit geben könne, als die in der Gesetzesverordnung vorgeschriebene.“[37] 

Gemäss dem schweizerischen Vertreter in Zagreb beabsichtigte Pavelić mit dieser Rede, dem Sabor den Anstrich einer demokratischen Institution zu geben, um damit einen Teil der Anhängerschaft Mačeks für sich zu gewinnen. Nachdem der Sabor die Grundzüge seiner Politik gutgeheissen hatte, liess der Poglavnik Ausschüsse bilden, denen die Aufgabe gestellt wurde, die diktatorischen Erlasse in gesetzliche Formen zu kleiden. Es wurde sogar ein Ausschuss mit dem Auftrag gebildet, einen Entwurf zu einer Verfassung auszuarbeiten. Dieses Projekt geriet ähnlich wie der Sabor selbst allmählich in Vergessenheit, so dass sich niemand mehr darum bemühte.[38]

Der mit viel Pomp aufgezogene Sabor hatte, so berichtet Kästli, in den breiten Volksschichten jedoch wenig Widerhall gefunden. Man stellte sich dort die Voraussetzung für eine gesunde Demokratie anders vor. Man sah im Sabor nichts weiter als eine Kulisse, hinter welcher der Poglavnik und seine Regierung einen Teil ihrer Verantwortung ablegen wollten. Der Führung gelang es daher, weder das In- noch das Ausland von diesem „demokratischen“ Regierungssystem zu überzeugen.[39] 

 

3.3.3 Der Konflikt zwischen der Ustascha-Miliz und den Domobranen 

Im März des gleichen Jahres bemühte sich Pavelić, welcher der Kritik der Deutschen bezüglich einer schwachen kroatischen Führung entgegentreten wollte, um eine Konsolidierung der innenpolitischen Lage. Dazu gehörte ein neu geschaffenes „Hauptquartier des Poglavniks“, in welchem alle an der Landesverteidigung und der öffentlichen Sicherheit interessierten Zentralstellen sowie die Ustascha vertreten waren. Die neue Institution hatte den Zweck, unter der unmittelbaren Leitung des Poglavniks alle in das Sachgebiet gehörende Belange zu behandeln und zu entscheiden. Ihr schwacher Punkt war, dass in ihr die Ustascha vertreten und damit ein erheblicher Unsicherheitsfaktor gegeben war. Dennoch hätte sie nach Ansicht Glaise von Horstenaus eine Beruhigung der innenpolitischen Lage herbeiführen können, vorausgesetzt, dass der Poglavnik die Führung in der Hand behielt. Pavelić hatte in dieser Hinsicht bei einer Reihe von Verfehlungen scharf durchgegriffen, doch änderte sich ansonsten wenig. Die Ustascha fuhr mit ihrem Terror fort und belastete damit von neuem die Entwicklung des Staates und das Vertrauen des Volkes. Einzelne massgebende kroatische Persönlichkeiten sahen wohl den eingeschlagenen Weg der Serbenverfolgung als verfehlt an, doch war man inzwischen schon zu stark in den Krieg mit den Tschetniks und Partisanen verstrickt, als dass man diesbezüglich noch etwas zu unternehmen wagte.[40]

Das kroatische Heer und seine führenden Offiziere sahen in der Ustascha ein besonderes Hindernis auf dem Weg zu einem geordneten Wehrwesen. Dagegen vertraten der Poglavnik, der überhaupt eine geringe Meinung von den Domobranen hatte, und andere Persönlichkeiten in Staat und Partei die Auffassung, dass vorläufig nur die Ustascha-Miliz für den Schutz des Staates gegenüber seinen inneren Feinden in Frage komme. Sie beriefen sich dabei auf den revolutionären Gedanken, der die Ustascha angeblich beseelte, und auf die Vorzüge, die eine, zudem noch besser ausgebildete und ausgerüstete, Freiwilligentruppe in einem noch ungefestigten Staatswesen gegenüber einer auf der allgemeinen Wehrpflicht basierenden Armee besass. Das kroatische Volk zog allerdings mit überwältigender Mehrheit die Domobranen der Ustascha-Miliz vor, weil es diese wegen ihrer Disziplinlosigkeit, ihrer Überheblichkeit und ihrer ständigen Ausschreitungen fürchtete und hasste. Doch das Pavelić-Regime hätte nie die Auflösung der Ustascha-Miliz verfügt, weil es mit ihr auf Gedeih und Verderb verknüpft war.[41] 

 

3.3.4 Der Wettstreit zwischen Italien und Deutschland 

Der schweizerische Konsul in Zagreb berichtete zu Anfang des Jahres 1942 seinen Vorgesetzten, dass trotz der Unzufriedenheit der beiden Besatzungsmächte mit der Ustascha-Regierung zwischen Deutschland und Italien ein immer stärkerer Wettstreit um die Behauptung ihrer Interessen in Kroatien entbrannte. Beide bemühten sich, den vermeintlichen Partner auf keinem Gebiet einen Vorsprung erringen zu lassen. Dieses Verhalten zeigte sich unter anderem bei der deutschen Rekrutierung von kroatischen Arbeitskräften, freiwilligen Soldaten für die Ostfront und bei der Ausstattung deutscher Volksgruppen mit Sonderrechten. In allen drei Fällen sah sich die italienische Regierung genötigt, sowohl freiwillige Arbeitskräfte und Soldaten für Italien zu gewinnen als auch Sonderrechte für eine italienische Minderheit in Kroatien zu fordern.[42]

Es wurde aber auch laut Kästli besonders auf kulturellem Gebiet Propaganda betrieben. Deutsche Professoren, Schriftsteller und Wissenschaftler gaben Zweckvorträge, zu denen die Hörerschaft oft in autorativer Form geladen wurde. Mit diesen Bemühungen wurden vor allem deutscherseits Versuche unternommen, das alte Österreich als einzigen Staat hinzustellen, der eine erfolgreiche Balkanpolitik betrieben hatte und zukünftig auch betreiben könne, an der auch Kroatien seinen Nutzen haben werde.[43]

Der Wettstreit äusserte sich gemäss Kästli auch in vielen Geschenken an die Spitze der kroatischen Regierung. Den Mitgliedern der Ustascha-Regierung wurden hohe Orden von Rom und Berlin verliehen und der Poglavnik und Kvaternik erhielten Geschenke in Gestalt von Luxusautos und Flugzeugen. Trotz der Ehrungen der Ustaschen hatten die beiden Achsenmächte die schwellenden Konflikte in Kroatien nicht aus den Augen verloren. Vor allem Deutschland trachtete danach, wieder Herr der Lage zu werden, und zögerte dabei nicht, personelle Umstellungen innerhalb der Ustascha in Kauf zu nehmen.[44] 

 

3.3.5 Die Absetzung der Kvaterniks 

Kästli berichtet Anfang Herbst 1942, dass die Führung des Unabhängigen Staates Kroatien im Verlaufe der letzten Zeit sehr problematisch geworden sei, weil Pavelić die Macht mehr und mehr aus der Hand genommen werde. Sein territorialer Machtbereich beschränke sich nur noch auf die Hauptstadt Zagreb und deren nähere Umgebung. Der Rest werde entweder von den Aufständischen beherrscht, oder, wo Ustascha- und Domobranenformationen stehen, müssen sich diese den Deutschen oder den Italienern fügen.[45] Ausserdem war laut Kästli die persönliche Macht des Poglavniks innerhalb der Regierung und seines Regimes keineswegs mehr gesichert.[46] Seine Minister arbeiteten teilweise gegeneinander und zeigten schwindendes Interesse an ihren amtlichen Pflichten. Trotzdem folgten keine Entlassungen. Stattdessen wurde der ganze Regierungs- und Parteiapparat aufrechterhalten. In gewissen Kreisen verglich man den Unabhängigen Staat Kroatien mit einem in einer Menschenmenge eingekeilten Ohnmächtigen, der nicht umfallen könne, weil er ringsherum mit oder ohne Absicht gestützt werde.[47]

Kurz nachdem Kästli den obigen Bericht verfasst hatte, wurde Pavelić von Hitler im Führerhauptquartier empfangen. Der Grund für diesen Besuch war, dass Hitler den Poglavnik über den Plan einer einheitlichen deutschen militärischen Leitung im Kampf gegen die Aufständischen in Kroatien informieren wollte. Dabei kündigte der Führer an, dass im kroatischen Operationsgebiet die vollziehende Gewalt an den deutschen Truppenbefehlshaber übergehen werde und die kroatische Exekutive insoweit suspendiert werden müsse. Pavelić erhob keine Einwände, weil er ahnte, dass Hitlers Entschluss durch die sehr geringe deutsche Meinung über den Kampfwert der kroatischen Domobranen und Ustascha-Milizverbände sowie die Zweifel an den konstruktiven Fähigkeiten des Ustascha-Regimes motiviert war. Hitler deutete zudem an, es sei im Interesse Deutschlands, dass im politischen Leben des Unabhängigen Staates Kroatien eine Beruhigung eintrete. Dies setze das Ausscheiden derjenigen Persönlichkeiten in der Regierung voraus, die sich als unzuverlässig oder hinderlich erwiesen hätten.[48] Unter diesen Persönlichkeiten waren vor allem Marschall Kvaternik, der Oberkommandierende der kroatischen Streitkräfte, und sein Sohn Eugen Kvaternik, der Leiter der Ustascha-Sicherheitspolizei zu verstehen.[49]

Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Deutschland traf Pavelić die Vorbereitungen für eine Regierungsumbildung, die am 6. Oktober vollzogen wurde und neben anderen Umgruppierungen vor allem die Ablösung der beiden Kvaterniks zum Ziel hatte. Marschall Kvaternik, dem Pavelić mangelnde Führung, militärisches Versagen und private Ausnutzung seiner dienstlichen Stellung vorwarf, wurde, um seine Kaltstellung möglichst unauffällig zu bewerkstelligen, in der Folge beurlaubt. Ende 1942 versuchte Slavko Kvaternik bei seiner Rückkehr zunächst seine Wiedereinsetzung zu ertrotzen, doch gab er seinen Versuch auf, nachdem er hierfür weder deutsche noch kroatische Unterstützung zu mobilisieren vermochte. Seinem Sohn Eugen Kvaternik wurde vorgehalten, durch die von ihm verursachten oder zumindest geduldeten Willkürakte und Zügellosigkeiten der Ustascha-Polizei das Ansehen der Ustascha in der Bevölkerung auf einen Tiefstand gebracht zu haben.[50]

Obwohl mit dem Ausscheiden der beiden Kvaterniks, vor allem des jüngeren, aus der Sicht der Aussenstehenden die negativsten Elemente aus der Regierung entfernt wurden, war man sich in eingeweihten Kreisen darüber klar, dass die vorgenommenen Änderungen nur ein Provisorium geschaffen hatten. Die Beibehaltung des in der kroatischen Öffentlichkeit und auch in den Achsenstaaten schwer belasteten Ustascha-Regimes, dessen Inkompetenz und Gewalttätigkeit, würden nach Kästlis Ansicht auch der umgebildeten Regierung im Bestreben, die so sehnlich erwünschte Ordnung zu schaffen, wie Blei an den Füssen hängen.[51] 

 

3.3.6 Die Goldschmuggelaffäre 

Im Gegensatz zu den übrigen Werken ist in den Berichten Kästlis vom April 1943 von einer zweiten Krise die Rede, die durch einen Goldschmuggel innerhalb der Regierung hervorgerufen wurde.

Aus dem Erlös eines Geschäftsabschlusses mit einer schweizerischen Firma in Chiasso beschaffte sich ein hoher Beamter des Finanzministeriums eine ansehnliche Menge Goldstücke, die nach schriftlicher Anweisung des Direktors der administrativen Abteilung im Aussenministerium, Kolak, durch einen Kurier der ständigen kroatischen Handelsdelegation in Zürich nach Zagreb gebracht wurde. Um einen Teil dieser Goldstücke in Budapest mit noch mehr Nutzen verkaufen zu können, versuchte unter Mitwissen Kolaks der Finanzbeamte Havranek, das Geld über die ungarische Grenze zu schmuggeln. Aufgrund einer Denunziation wurde er aber von den kroatischen Zollorganen kontrolliert und verhaftet. Kolak war einer der engsten Freunde des Aussenministers Lorković, dem er bis vor kurzem als Kabinettschef gedient hatte. Havranek bekleidete unter Finanzminister Košak, dem neben Lorković prominentesten Glied der Ministerclique[52], eine hohe Stelle. Von der Oberstengruppe wurde nun ein heftiges Kesseltreiben gegen Lorković und Košak veranstaltet. Der italienische Gesandte Raffaelo Casertano, ein im journalistischen Dienst des Faschismus gross gewordener Parteifunktionär, schürte das Feuer und nutzte die Gelegenheit zu einer eigenen Abrechnung mit dem Aussenminister.[53]

Schon seit mehreren Wochen hatte Casertano das kroatische Aussenministerium nicht mehr betreten und alle Geschäfte direkt mit dem Poglavnik oder der Präsidialabteilung erledigt. Der Grund für dieses für einen auswärtigen Vertreter gegenüber einem Aussenminister so unfreundliche Verhalten lag darin, dass sich Lorković in Berlin über die kroatenfeindliche Tätigkeit der italienischen Generalität in Dalmatien bitter beklagt hatte. Kästli berichtet diesbezüglich, dass die italienische Armee Tausende von uniformierten Tschetniks aus Montenegro und der Herzegowina nach Dalmatien transportiert hatte. Dort wurden sie von den Italienern mit Waffen ausgerüstet und anschliessend gegen die faschistenfeindliche kroatische Dorfbevölkerung eingesetzt. Die italienischen Truppen selbst hatten ihre geschützten Stellungen nicht verlassen und die Vernichtungsarbeit an der kroatischen Bevölkerung den hereingeholten Tschetniks überlassen.[54]

Da der Skandal in der Regierung, im Regime und in der Öffentlichkeit heftige Wellen schlug, sah sich Pavelić, der es zu keiner schwerwiegenden Staatskrise kommen lassen wollte, zu einem energischen Durchgreifen gezwungen. Kolak und Havranek wurden von einem Standgericht innert drei Tagen zum Tode verurteilt und innert Stundenfrist hingerichtet. Die Minister Lorković und Košak, deren Stellung innerhalb der Regierung erschüttert war, wurden auf Druck des italienischen Gesandten abgesetzt. Nachfolger Lorkovićs wurde Mile Budak, der ein knappes halbes Jahr später wegen einer Regierungsumbildung wieder von seinem Amt zurücktreten musste. Lorković erhielt den Posten eines Staatsministers, wurde aber, nachdem sich die Wogen wieder geglättet hatten, Innenminister. Košak wurde als Botschafter nach Budapest gesandt. Mit diesen Massnahmen konnte Pavelić seine Kontrahenten sowie die italienischen Stellen besänftigen und sich und sein Regime erhalten.[55]



[1]Hory / Broszat. S. 93.

[2]Das Regime machte zudem keinen Hehl daraus, dass es der serbisch-orthodoxen Bevölkerung keine vollen Bürgerrechte zuzubilligen gedachte, sondern entschlossen war, sie auch zahlenmässig kräftig zu dezimieren. Siehe Hory / Broszat. S. 96f. Vgl. dazu E 2400 (-) Zagreb, Bd. 4, Geschäftsbericht 1942/43 von Kästli.

[3]Eugen Kvaternik, der aufgrund seines blutrünstigen Vorgehens gegenüber Serben und Juden den Beinamen eines kroatischen Himmlers erworben hatte und gemäss General Glaise von Horstenau deshalb der meistgehasste Mann im Lande ohne Unterschied von Stand und Nation war, hatte selbst eine Mutter jüdischer Abstammung. Kiszling berichtet, dass sogar die Gattin des Poglavniks Jüdin gewesen sei. Siehe Kiszling. S. 174.

[4]Die deutschen Stellen in Serbien beklagten sich über die Vertreibungen, da es ihnen zum einen nicht möglich war, die vielen Flüchtlinge unterzubringen und zu verpflegen, und zum anderen ein grosser Teil dieser Flüchtenden sich den Freischärlern anschloss. Deshalb wurde Pavelić vom deutschen Oberkommando verboten, weitere Serben aus Kroatien zu vertreiben.

[5]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 10.10.1941.

[6]Tschetniks, gekennzeichnet durch einen Totenkopf auf der Mütze, hatten sich die serbischen Freischärler genannt, die in den Balkankriegen und im Ersten Weltkrieg vor allem in den unterworfenen Gebieten Südserbiens den Volksaufstand organisiert hatten. Als serbischer Veteranen- und Milizverband war die Tschetnik-Organisation auch nach 1918 im jugoslawischen Staat bestehen geblieben.

[7]Hory / Broszat. S. 103f. In der Folge begnügten sich die Tschetniks im Kampf gegen die Besatzungstruppen mit Überfällen auf einzelne Soldaten und Kolonnen, mit Anschlägen auf militärische Depots, Fernsprechleitungen, Brücken und Bahnlinien.

[8]Ebd. S. 105. Vgl. dazu E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 10.10.1941.

[9]Nach einem kommunistischen Bombenanschlag auf den jugoslawischen Prinzregenten wurde die Kommunistische Partei, damals die drittstärkste Kraft im Lande, bereits 1921 verboten. Siehe Martel Josef. Jugoslawien im Zweiten Weltkrieg. In: Markert Werner (Hg.). Jugoslawien. Osteuropa-Handbuch. Band I. Köln/Graz 1954. S.  S. 76ff.

[10]Kiszling. S. 181f.

[11]Ebd. S. 182. Nähre Informationen über die einzelnen Kämpfe und die Kriegsführung findet man aus Sicht der Partisanen bei Kveder, Dušan. „Der jugoslawische Partisanenkrieg“. In: Allgemeine schweizerische Militärzeitschrift, 119 Jg., 1953, S. 470-483, S. 550-564, S. 628-634. und aus Sicht der kroatischen Domobranen bei Dragojlov, Fedor. „Der Krieg 1941-1945 auf dem Gebiet des `Unabhängigen Staates Kroatien`“. In: Allgemeine schweizerische Militärzeitschrift, 122 Jg., 1956, S. 345-364, S. 425-448, S. 509-523.

[12]Kiszling. S. 182.

[13]Die politischen Parolen Titos, wobei er auf das Herausstellen weltrevolutionärer Pläne verzichtete, zielten auf die Zusammenfassung aller Bürger des Landes gegen Tschetniks, Ustaschen und Okkupatoren. Die im Vergleich zu den übrigen Kriegsteilnehmer geringen Ausschreitungen der Kommunisten gegen die Bevölkerung und die humane Behandlung gefangen genommener kroatischer Landwehrmänner führten dazu, dass immer mehr Bürger und Soldaten zu den Partisanen flohen. Ganz allgemein herrschte das Bemühen vor, die Aufstandsbewegung durch Disziplinierung und fürsorgliche Verwaltungsmassnahmen für die zukünftige Machtübernahme gesellschaftsfähig zu machen. Siehe E 2400 (-) Zagreb, Bd. 4, Geschäftsbericht 1942/43 von Kästli. Vgl. dazu Kiszling. S. 182f.

[14]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Berichte Kästlis vom 8.1. und 20.2.1943.

[15]Hory / Broszat. S. 107ff. Vgl. dazu E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 27.12.1943. 

[16]Hory / Broszat. S. 114ff.

[17]Ebd. S. 115.

[18]Ebd. S. 115.

[19]Hory / Broszat. S. 112ff.

[20]Martel. S. 109. Vgl. dazu Hory / Broszat. S. 113.

[21]Hory / Broszat. S. 115.

[22]Ebd. S. 115.

[23]In einem Gespräch eröffnete Hitler General Horstenau, dass das Einströmen der Italiener in Dalmatien gar nicht so übel sei, weil damit eine Reibungsfläche zwischen Italien und Kroatien geschaffen würde. Ihm sei zudem nicht mehr an Ordnung in Kroatien gelegen, denn Deutschland müsse immer die Möglichkeit geboten bleiben, einzugreifen. Siehe Fricke. S. 169.

[24]Deutscherseits wurde vermutet, dass die Italiener über die Annäherung der Pavelić-Regierung an Deutschland und damit über den Bruch der Römischen Verträge, in denen Italien die Hegemonie über Kroatien beanspruchte, verärgert waren und mit diesen Massnahmen beabsichtigten, den Ustascha-Staat stärker unter ihre Botmässigkeit zu bringen. Siehe Hory / Broszat. S. 116. Vgl. dazu Fricke. S. 49ff.

[25]Hory / Broszat. S. 123.

[26]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 9.12.1941.

[27]Ebd.

[28]Ebd. 

[29]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 9.12.1941.

[30]Nur in Cianos Tagebuch findet man unter dem Datum des 17. Dezembers 1941 einen Vermerk, dass das Reich Italien angeboten hätte, das ganze kroatische Land unter seine Kontrolle zu bringen. Mussolini beabsichtigte, den Vorschlag anzunehmen. Siehe Ciano. S. 382.

[31]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Berichte Kästlis vom 26.1.1942. 

[32]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Berichte Kästlis vom 26.1.1942.

[33]Ebd.

[34]Fricke. S. 68. Vgl. dazu Kiszling. S. 178 und E 2300 Zagreb, Bd. 532, Berichte Kästlis vom 26.1.1942.

[35]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Berichte Kästlis vom 9.4.1942.

[36]Ebd.

[37]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Berichte Kästlis vom 9.4.1942.

[38]Ebd.

[39]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Berichte Kästlis vom 26.1 und 9.4.1942.

[40]Fricke. S. 78f.

[41]Ebd. S. 80.

[42]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 9.4.1942.

[43]Ebd.

[44]Ebd.

[45]Um die verwirrenden Zustände in Kroatien zu veranschaulichen, beschreibt Kästli, wie in einer kurz zuvor erfolgten Schlacht die Deutschen mit den Tschetniks zusammen gegen die Italiener und die kroatischen Domobranen gekämpft hatten. Siehe E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 23.9.1942. 

[46]Namentlich zwei Gruppen stellten die Autorität Pavelićs in Frage und hatten demzufolge einen entscheidenden Eigenwillen entwickelt. Die eine war die der fanatischen Ustaschen mit dem Leiter der Sicherheitspolizei Eugen Kvaternik an der Spitze und die andere diejenige der höheren Offiziere um Slavko Kvaternik.

[47]Diese schlecht funktionierende Regierung hat die Deutschen erneut dazu veranlasst, den in kroatischer Gefangenschaft befindlichen Maček aufzusuchen, um ihn dazu zu bewegen, der Pavelić-Regierung beizutreten. Maček stellte die deutscherseits unmöglich zu erfüllende Forderung, dass alle Italiener Kroatien zu verlassen hätten, bevor er dem Angebot zustimmen werde. Siehe E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 23.9.1942.

[48]Hitler war sogar entschlossen, mit den Ustaschen aufzuräumen. Der erschreckte Pavelić hatte seine „Prätorianer“ mit dem Hinweis retten können, dass die Ustaschen staatsführend seien. Das Wort „staatsführend“ scheint Hitler entwaffnet zu haben. Er gab daher Weisungen, einen Versuch zu machen, den kroatischen Staat unter Beibehaltung des Ustascha-Regimes umzuformen anstatt neuzuformen. Siehe E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 22.10.1942.

[49]Hory / Broszat. S. 133f. Vgl. dazu E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 3.10.1942.

[50]Die Enthebung des jungen Kvaterniks verlief ziemlich dramatisch. Als ihm vom Poglavnik, in Gegenwart von führenden Ustaschafunktionären, das Dekret ausgehändigt wurde, habe er es in Stücke zerrissen und dem Staatsoberhaupt vor die Füsse geworfen. Er soll erklärt haben, dass er wieder käme, denn man werde ihn wieder brauchen. Pavelić habe ihn daraufhin gewarnt, sich nicht in Intrigen gegen das Staatsoberhaupt zu verwickeln, er spiele sonst mit seinem Leben. Siehe E 2300 Zagreb, Bd. 532, Berichte Kästlis vom 3.10. und 22.10.1942. Vgl. dazu Hory / Broszat. S. 135f.

[51]E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 22.10.1942.

[52]Innerhalb des Regimes gab es zwei Gruppen, die sogenannten Minister- und Oberstenclique, die sich gegenseitig zu schwächen suchten. Die Ministergruppe, in den kroatischen Journalistenkreisen scherzhaft Jungtürken genannt, bestand aus den jungen Ustaschen um den Poglavnik, die mit den Deutschen sympathisierten. Zu diesen gehörten Aussenminister Lorković, Finanzminister Košak und der Staatssekretär im Ministerpräsidium Vrančić, alles seit der Emigration eng miteinander befreundete Männer von knapp 30 Jahren. Zur Oberstenclique gehörten die k.u.k. Offiziere Generalleutnant Laxa, Oberst Prpić und einige Stabsoffiziere aus der Leibgarde des Poglavniks. Diese hatten die Italiener als Gegengewicht für ihre Zwecke eingespannt. Siehe E 2400 (-) Zagreb, Bd. 4, Geschäftsbericht 1942/43 von Kästli.

[53]Wegen der Beteiligung einer dalmatinischen Italienerin an diesem Goldschmuggel konnte sich der italienische Gesandte sofort in die Affäre einschalten. Später hatte Kästli unter der Hand erfahren, dass die geheimnisvolle Denunziation von derselben Italienerin stammte. Siehe E 2400 (-) Zagreb, Bd. 4, Geschäftsbericht 1942/43 von Kästli.

[54]E 2400 (-) Zagreb, Bd. 4, Geschäftsbericht 1942/43 von Kästli. Vgl. dazu E 2300 Zagreb, Bd. 532, Bericht Kästlis vom 20.2.1943 und Hory / Broszat. S. 131f.

[55]E 2400 (-) Zagreb, Bd. 4, Geschäftsbericht 1942/43 von Kästli.

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